Bürger-Anregungen nicht weitergeleitet

Der alte Waldlehrpfad Haltergasse soll zu einem neuen touristischen Projekt umgestaltet werden. Dazu sollen parallel zwei neue Konzepte in einem Weg umgesetzt werden.

1) Über die Dorferneuerung soll das Konzept des Hoidawegs (als Verlängerung der Hoidagossn in einem Rundweg über den Höhberg) umgesetzt werden. Dazu wird eine Projektarbeit der HLUW Yspertal umgesetzt, die die Präsentation des Naturraumes in einem Themenweg vorgeschlagen hat. Verantwortlich dafür zeigt sich das Büro DI Grossauer, Gmünd.

2) Über ein grenzüberschreitendes Kleinprojekt zum 50er-Jubiläum der Gemeindezusammenlegung soll die Entstehungsgeschichte der Orte und der Gemeinde erzählt werden. Verantwortlich dafür zeichnet offenbar das Team von ILD Temper-Samhaber aus Harmanschlag.

Am Dienstag dem 19. Oktober fand um 14 Uhr eine Begehung mit den Planern des Büro Grossauer statt, die für den Teil 1) zuständig sind. Thomas Samhaber, zuständig für den Teil 2) musste absagen. Daher wurde von einer Hälfte des Projektes wieder nichts genaueres präsentiert.

Ich musste leider feststellen, dass – entgegen anderslautender Ankündigungen von „Bürgerbeteiligung“ – den Planern in den vergangenen 3 1/2 Monaten keinerlei Ergebnisse vom vorangegangenen Geh-Spräch vom 5. Juli in der Haltergasse mitgeteilt wurden. Somit konnten die Anregungen der Bürger bisher im Plan überhaupt nicht berücksichtigt werden. Warum auch immer. Die sehr bemühten Planer wurden nicht gut informiert, sie wussten nicht, dass die Wegbeschaffenheit der Haltergasse, die gern von den jungen Familien mit den Kindern genutzt wird um den Teich zu erreichen, ein Problem für Kinderfahrräder ist und er auch schwerer mit Kinderwagen und Rollstühlen zu befahren ist als früher. Sie wussten auch nicht, dass über weite Strecken die Hochspannung direkt unter den Weg gepflügt wurde, was ja der Grund für den Belag mit grobem Schotter, statt der bisherigen Sandstraße, ist. Die Planer wussten ebenso nicht, dass der Weg viel für Kutschenfahrten und Ponyreiten genutzt wurde, was durch den Schotter schmerzhaft für die Tiere geworden ist. Ebenso wurde den Planern das Teichbuffet nicht als Gastro entlang des Weges aufgezeigt, im Gegensatz zum Mostheurigen von Erwin Haumer, der Holzmühle und der Alten Schmiede von Andreas Schmidt.

Es entsteht wieder der deutliche Eindruck, dass hier für den Tourismus etwas geschaffen werden soll und das, was die 17 Bürger die beim Geh-Spräch vorgebracht haben, nicht wirklich von Interesse für die Gemeindeführung ist. Das ist sehr schade, denn wie sollen sich die Menschen im Projekt wiederfinden? Wie soll daraus wieder etwas entstehen, wie es die gemeinsame Pflege der Haltergasse durch die Lauterbacher so lange war? Wie sollen sich die Menschen dann damit identifizieren?? Die touristische Ausrichtung des Dorferneuerungsprojektes ist übrigens klar im diesem NÖN-Artikel zur damaligen ersten Projektarbeit der HLUW zu lesen: „Der Wunsch nach einer neuen touristischen Attraktion in der Region kam von der Gemeinde Moorbad Harbach direkt an die HLUW Yspertal„. Diese Projektarbeit wurde auch nicht herausgegeben. Warum? Man weiß es nicht.

Der Weg im Detail

Der Parkplatz für die Wanderer soll vor dem Steinbrunnerhof in der Ortsmitte von Lauterbach sein. Zielgruppe sollen Kurgäste und andere Touristen, hauptsächlich auch Familien mit Kindern sein. Die Einheimischen werden auch dezidiert als Zielgruppe genannt.

  • Ausgangspunkt ist die Kapelle Lauterbach. Die Markierung soll mit einem „Hoidahuat“ als Symbol für den Weg passieren.
  • Zweite Station und erste Themenstation ist die markante, große Fichte von Herbert Strondl an der Haltergasse. Dort soll unter dem Motto „Ein Baum erzählt“ über die Fichte erzählt werden. Offenbar waren Fichten ein Kraftbaum der Germanen. Geplant ist eine Sitzbank vis a vis der Fichte, von der aus man die Fichte eingehend betrachten und vielleicht auch „spüren“ kann. Hier soll auch mit Interaktiven Stationen begonnen werden, wie Balancespielen, Bewegungselementen, Bodentrampolinen und ähnlichem.

Wenn die Einheimischen eine wirklich wichtige Zielgruppe sein sollen, könnten diese Bewegungselemente der Schlüssel sein. Denn die Schilder wird man bald kennen, aber wenn es den Kindern Spaß macht die Elemente zu meistern, wird der Weg wirklich aufgewertet. Auch die Verbesserung der Wegbeschaffenheit selbst, wäre als Zeichen gegenüber der Bevölkerung auch ein Signal. Vielleicht kann es wieder „unsere“ Haltergasse werden mit schönen Spielen für unsere Kinder.

  • Dritte Station ist die riesige Steinplatte am Wegesrand nach der Fichte. Hier soll über die Geologie erzählt werden und die Rodung thematisiert werden. Mit welcher Mühe sind die Streifenflure und Terrassen entstanden. Interaktion soll hier ein Stein zum Heben bieten um die Mühe zu verdeutlichen. Erreichbar soll der Stein durch eine hübsche Brücke sein, die aber wohl eher als Rohr ausgeführt werden soll, da das für die Schneeräumung und als Ausweichpunkt praktischer wäre.
  • Bei einer Rastbank und einem alten Schild des Waldlehrpfades soll eine Bewegungsstation entstehen.
  • Vierte Station ist vis a vis der bestehenden Hütte, da soll die Steinmauer eventuell für eine Sicht auf den Bachlauf, die Brache und die Feuchtwiese geöffnet werden. Interaktive Station soll hier vielleicht ein Geräuscherlebnis z.B. mit dem Ruf des Wachtelkönigs sein. Die Hütte selber soll mit Photovoltaik ausgestattet werden, die eine helle Beleuchtung im Inneren ermöglicht. Zur Innenraumgestaltung gibt es noch keine Ideen,  außer dass auch eine Sitzgelegenheit eingebaut werden soll. Außen sollen weitere Sitzgelegenheiten aufgestellt werden, heimische Bäume sollen gepflanzt werden um später Hängematten zu tragen.
  • Fünfte Station soll „Ein Bild von einem Moorheilbad“ heißen und einen drehbaren Fotorahmen beinhalten, in dem die Kurgäste schöne Souvenirbilder mit dem Moorheilbad machen. Mann kann ihn aber auch drehen und so einen Hintergrund mit Wald, Feldern, Wiesen, oder Pferden erhalten. Hier soll auch – im Zuge des zweiten Projektes – die Geschichte der Orte und Siedlungsarten der Gemeinde erzählt werden und ebenso die Geschichte des Kurhauses. Wultschau und Harbach sind klassische Dreiseithof-Siedlungen, Lauterbach ist eine aufgelockerte Form davon, wohingegen Maissen und Hirschenwies als Streusiedlungen ganz anders entstanden sind.
  • Beim Bach soll es eine Station zum Thema Landschaftselemente geben. Thematisiert werden Alleen, Bicherln, Bachläufe usw. Als interaktives Element ist hier ein Steckspiel angedacht in dem man in eine leere Landschaft Landschaftselemente einfügen kann. Die Artenvielfalt soll thematisiert werden, und auch ihre Gefährdung durch zu viel Wald.  Eine Bewegungsstation soll in der Nähe angebracht werden.
  • Am Höhberg soll unterhalb des Wasserreservoirs eine Sitzgelegenheit vis a vis des aufgeforsteten Fichten-Monokulturwaldes installiert werden. Auf der zugehörigen Tafel soll die Katastralmappe aus dem Jahr 1823 präsentiert werden, auf der klar zu sehen ist, dass damals hier nirgends Wald stand. Auch der Klimawandel und die Gefährdung dieser Monokulturen soll hier thematisiert werden. Eine Aufnahme von Hirschenwies einst und jetzt soll klarmachen wie die Verwaldung alles ändert. Dafür soll eine Prismentafel verwendet werden, die von zwei verschiedenen Blickachsen zwei verschiedene Bilder (einst und jetzt) zeigen kann.
  • Am unteren Ende des Wildgatters sollen die hiesigen Nutztiere wie Blondvieh oder Waldschaf thematisiert werden, die für das Freihalten der offenen Flächen wichtig waren und sind.
  • An der Kreuzung beim Wildgatter könnte eine Bewegungsstation entstehen.
  • An der Abzweigung des Weges zum Menschenrechtsgarten schließlich soll eine Station als Hinweis auf den Garten entstehen. Hier soll auch das Thema Grenze und die Überschreitung der Grenzen besprochen werden und das Recht sich eine neue Heimat zu suchen thematisiert werden.

Somit kann man wieder direkt zur Kapelle gehen oder durch den Menschenrechtsgarten wandern, der so eine weitere Belebung erfahren soll. Dieser Abschluss durch den Menschenrechtsgarten ist eine sinnvolle Sache. Trotzdem stellt sich die Frage ob man nicht einen zweiten Einstieg bei der Holzmühle vorsehen sollte, weil es dort mit drei Betrieben eine wirklich gute gastronomische Ausstattung gibt und mit dem Teich und dem Ponyhof tolle touristische Angebote zum Abrunden vorhanden wären. Genau wie in Lauterbach wo man zum Abschluss optimalerweise zum Mostheurigen geht.

Fehlende Tafel im Menschenrechtsgarten soll wieder kommen.

Unsere Bürgermeisterin Margit Göll versprach bei einem Gespräch vor der Station mit der fehlenden Tafel, dass diese Tafel wieder kommen soll. Als Ergänzung soll eine dritte Tafel eine weitere Meinung, zur von der Gemeinde nicht geduldeten Meinung von einem Menschenrechtsbeauftragten der Vereinten Nationen, hinzugefügt werden. Was ein gangbarer Weg für eine Lösung ist.

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