Liebe Leute,

heute darf ich von einer ganz besonderen Wanderung berichten, die wir unter anderem mit Johann Jeschko, dem 1930 geborenen, ältesten Bewohner von Himmelreich, in diese versunkene Ortschaft machen konnten.

Findet hier die detaillierten Unterlagen mit allen Sagen, die ich an die Wanderer ausgegeben habe: Wanderungsinfo.pdf.

In dieser Infobroschüre sind auf 12 Seiten die Sagen sowie Interessantes zur Siedlung Himmelreich, den dortigen Flusssiedern, den Wolframvorkommen, zur Kapelle und dem Bederl-Schneider Haus zusammengefasst.

Das haben wir für die gedrehten Videos angelegt: YouTube Kanal.

Vom Mitwanderer Heinz Wandl haben wir Videos erhalten, die wir für euch veröffentlichen. Wir danken dir lieber Heinz! Wenn jemand noch etwas gedreht hat, wir veröffentlich es gerne. Das Interview-Video mit Johann Jeschko folgt in Kürze.

Der Ausflug führte uns über mehrere Stationen, zu denen ich hier noch einige ergänzende Informationen hinzugefügt habe. Ich hoffe noch Bilder folgen lassen zu können, denn einige Mitwanderer wollen noch Bilder schicken. Die weiteren Stationen waren die Filzwiese, mit all ihren Sagen, die leider nur mehr ganz wenige Gemeindebürger kennen, das Peterl-Schneider-Haus und der kleine Nebelstein. Schön war auch, dass wir diese Veranstaltung unter der Schirmherrschaft der Dorferneuerung abhalten konnten, die die Aufgabe hat, Menschen zusammenzuführen. Ich denke das Bekenntnis der Dorferneuerung zur Veranstaltung hat sicher zu einer größeren Beteiligung quer über alle Alters- und Gesinnungsgrenzen geführt.

1. Station: Himmelreich

Herr Jeschko erzählte uns in einem Interview von seinem Aufwachsen in der Siedlung, die er nach seiner Hochzeit mit Erika 1954 Richtung Maißen verließ. Auch davon, wie er 1959 während der Arbeit vom Brand erfuhr und trotz sofortiger Hinfahrt, aufgrund Wassermangels nur zusehen konnte, wie das Haus, das seine Eltern bewohnten mit der ganzen restlichen Siedlung verbrannte, weil einem Burschen die Petroleumlampe beim Futter holen ins Heu gefallen war. Das Petroleum entzündete den Heustock in rasender Geschwindigkeit, über die schindelgedeckten Hausdächer fingen alle anderen Gebäude auch Feuer, so dass die gesamte Holzhauersiedlung mit einem Mal zu Grunde ging. Die Fürstenberg´sche Gutsverwaltung baute die Häuser nicht mehr auf. Das war das Ende von Himmelreich. Wir konnten das Gespräch mit ihm aufzeichnen und möchten es in einem Youtube-Video veröffentlichen. Ein Kanal wird dazu gerade eingerichtet und ein Link wird bald hier zu finden sein. Lasst es euch nicht entgehen!

Himmelreich im Jahre 1823,
die damaligen Flusssiederhäuschen standen tiefer am Hang, weiter südöstlich als die späteren Holzhauerhäuser

Ein aktuelles Luftbild aus 2021
Die großen Wohnhäuser hatten die Parzellennummern .101 und .104, die dazugehörigen Ställe die Nummern .102 und .103. Die Scheunen mit den Nummern .132 bis .135 sind offenbar nachträglich dazugekommen und später parzelliert worden.

Himmelreich vor 1959
Rechts sind die beiden Wohnhäuser mit jeweils vier Wohnungen zu sehen. Dazwischen ist die größte der vier bestehenden Scheunen sichtbar. Links sind die beiden Ställe zu sehen, wo sich jede der Familien ihre Tiere hielt. Der Fotograf stand auf der linken Seite des Luftbildes oben.

2. Station: die Filzwiese

Die Filzwiese ist ein Ort, der eine Vielzahl an Sagen hervorgebracht hat. Es gibt in diesem Bereich den Hemann, die Hemännchen, die Blaue Blume, die Gläserne Wand, die Wilde Jagd, die versunkene Stadt Kienau und die Irrwurzn. Das liegt sicher einerseits am Moor und den dort vorkommenden fluoreszierenden Ausgasungen aus dem Boden. Aber es gibt auch Abweichungen im Magnetfeld der Erde an dieser Stelle, weil in den Tiefen des Nebelsteins Wolfram und Molybdän lagern, wie Anfang der 80er Magnetfeldmessungen per Hubschrauber und spätere Probebohrungen feststellten.

All das wird wahrscheinlich bei den vor hundert und mehr Jahren noch viel abergläubischeren Bewohnern der Umgebung ein „enterisches“ Gefühl, ein Gefühl von der jenseitigen („drenteren“) Welt hervorgerufen haben. Das könnte eine Erklärung für diesen reichen Sagenschatz an diesem Ort sein. Alle Sagen sind in der Wanderungsinfo oben zu finden.

Der Brunnen von Kienau
Die Stadt Kienau wurde vom Riesen Hemann aufgrund der Hochmütigkeit ihrer unermesslich reichen Ratsherren mit allen Schätzen und allem was in ihr lebte in den Tiefen des Moors versenkt. Einzig der Brunnen der Stadt blieb nach der Sage nach dieser Katastrophe erhalten. Ich habe diesen mystischen, sagenumwobenen Brunnen nach Hinweisen von Erwin Bäck und Walter Laffer tatsächlich gefunden, nachdem ich seit meiner Kindheit davon geträumt habe.

Mein Vater hat mir oft am Weg nach Breitenberg zu meinem Großvater von Kienau erzählt. Der alte Hofbauer, der Großvater von Franz Müller in Lauterbach, hat den Kurgästen immer wieder von der noch herausragenden Kirchturmspitze berichtet, nicht wenige sind suchen gegangen:-) Auch Karl Mosmüller berichtet immer wieder gern davon wie seine Mutter, die ja auch in Himmelreich gewohnt hat, sich einmal die Schneid der Sense auf der Filzwiese ruiniert hat, weil sie in die Kirchturmspitze gemäht hat:-):-)

Hier an diesem markierten Punkt liegt der „Kienauer Brunnen“. Ich habe dort eine Tafel angebracht und den sagenumwobenen goldenen Löffel wieder am Brunnenrand angebracht. Bitte findet die Gesamtheit der Sagen oben in der Datei „Infos zur Wanderung“.


Gleich östlich neben der Langlaufloipe, die hier die Straße begleitet habe ich die dürren Äste herausgezwickt, nun kann man, wenn man die Stelle kennt, den Brunnen besuchen. Aber Achtung! Zollt bitte den Hemännchen Respekt, mich hat wohl so ein kleiner Kobold nach Hause begleitet, nachdem ich den Brunnen gefunden hatte. Denn an diesem Abend und dem folgenden Tag hatte ich einen Wasserschaden, einen noch nie dagewesenen Internetausfall beim Tanzabend, dann fiel mir ein ganzes Tablett mit Getränken hinunter, als ich an einer Speisekarte (!) hängen blieb, kurz darauf fiel Florian ein ganzes Tablett mit Getränken hinunter, als er bei der Türschnalle hängenblieb, danach wollte ich Eiswürfel holen, nur um festzustellen, dass die Maschine den Geist aufgegeben hatte…. Darum Vorsicht, Vorsicht:-):-)

Auf dem Weg zur 3. Station kehrten wir im Atelier von Brigitte Baldrian ein. Ein wunderschönes Geschäft am schönsten Platz der Gemeinde. Unbedingt einen Besuch wert! Wir hörten da auch vom Sgraffito auf dem Haus, das die drei Baldrian-Brüder symbolisiert, sowie ebenso symbolisch den Kletzenberg zeigt. Das was der alte Name dieses Hanges auf dem das Haus steht. Auf der Rückseite gibt es ein weiteres Sgraffito mit Anspielungen auf die hier angeblich betriebene illegale Jagd auf Kleinwild:-). Auch Maria Theresia Seidler, die offenbar mit ihrem Mann auf dem Zarenhof beschäftigt war und nach der Revolution aus Russland flüchtete, wurde bei der Wanderung erwähnt. Sie lebte im Baldrian-Haus bis 1962 und verdiente Geld als Weißnäherin. (Da die Aussteuer meist aus weißen Stoffen bestand, wurde sie auch allgemein als Weißwäsche bezeichnet. Wurden Laken, Tischtücher und Co. vor der Hochzeit genäht, gönnten sich manche Familien den Luxus und bestellten eine Weißnäherin. Diese half dann den Frauen beim Zurechtmachen der Aussteuer.) Erika Jeschko berichtete, wie Frau Seidler immer im Geschäft der Familie Pascher gepflegt und elegant gekleidet Platz nahm, bis sie dran war und dann mit einem ausländischen Akzent bestellte. Das war für die Kinder damals besonders interessant.

3. Station: das Bederl-Schneider-Haus

Das Haus Maißen Nr. 14, gehörte einst dem Schneider Peter Müller, von dem unter anderem Vizebürgermeister Roman Prager, die Gemeinderäte Walter und Herbert Pichler sowie Michael Jäger abstammen, außerdem noch Bürgermeister Gerhard Pichler, Vizebürgermeister von Lauterbach Hermann Müller sen. sowie der Gemeinderat Hermann Müller jun. sowie ich selbst. Bei diesem Haus wird auch eine Tafel aufgehängt, die die Geschichte der Bewohner erzählt. Vielleicht könnte man diese verborgenen Punkte wie den Kienauer Brunnen, sowie weitere untergegangene Punkte für Geocaching (im deutschsprachigen Raum auch GPS-Schnitzeljagd genannt) verwenden und sie so auch touristisch nutzen, ohne in teure „Stationen“ mit enormen Erhaltungskosten investieren zu müssen.

4. Station: der kleine Nebelstein

Zum Abschluss besuchten wir den „kleinen Nebelstein“, eine beeindruckende Granitformation mit 10m senkrecht aufsteigenden Wänden, in ca. 150 Metern Entfernung vom Bederl-Schneider-Haus, südlich von Franz Haumers Haus. Diese Steinformation war früher noch von der Straße nach Lauterbach zu sehen. Heute ist der Wald zu hoch geworden.

Die nördliche, niedrigere Seite des kleinen Nebelsteins dahinter, hier nicht sichtbar, ragt der Hauptteil auf.

Der niedrigere Absatz der unteren, nördlichen Seite, rechts davon kann man den 10m aufragenden Hauptteil der Steinformation sehen.

5. Station: das Moaßla Stüberl

Zum Ausklang ging´s ins Moaßla Stüberl zu Michael Jäger, dem ich zirka 20 Leute angekündigt hatte, ihn aber nach Abmarsch informieren musste, dass wir wohl eher 100 Personen sind…. Trotz dieser großen Teilnehmerzahl wurden wir aber super verpflegt. Wie am Telefon versprochen, ging ich ihm unter Kollegen ein wenig zur Hand.


Hans Jeschko (geboren 1930 in Himmelreich) mit Gabi Hwezda aus Maißen

Mein Dank gilt Hans Jeschko und seinem Sohn Erwin, für das interessante Interview, meinem Vater Hermann Müller, der als Begleitfahrer diente und auch interessante Geschichten beigesteuert hat, Franz Haumer, der mir den kleinen Nebelstein und das Bederl-Schneider-Haus zeigte und die Sagen von Lehrer Süka beisteuerte, Walter Laffer, der mir einen ungefähren Lageplan des Brunnens erstellte, sowie Erwin Bäck, der mir den Tipp gab welchem Graben ich folgen sollte, um schließlich den Brunnen nach langer Suche endgültig zu finden, Gabi Hwezda, die mir ein Bild ihres Hemännchens (in Lebensgröße:-)) schickte und schließlich allen, die sich für diese Geschichten interessieren, sie weitertragen und mir bitte viele, viele Fotos schicken! Bitte an redaktion@harbach.info.

Leute, es war herrlich, Danke!!

Ein Gedanke zu „Die sagenumwobene Wanderung ins Himmelreich“
  1. Danke für diesen hervorragenden Bericht – die kleine Welt von Maissen eine Art Wunderwelt – wo es noch vieles zu Entdecken gäbe – eines der ersten Schwimmbäder zum schwimmen lernen – des Waldviertels war in der Moaßler Schule – die allerdings ein späterer Direktor zuschüttete – weil – wie die Mutter von Roman Wielander sagte – Roman geh ja nicht mit – denn das Wasser zieht dich runter – ich brauche dich noch – Manche waren allerdings nicht ganz rechtskonform – wenn man vom Bachofner links den Wald entlang geht war einst ein Haus dass abbrannte – allerdings als man die Pendeluhr und anderes im Wald fand waren die Erklärungen schwierig. Auch heute unvorstellbar – alleine in der Moaßler Schule waren in den 30iger Jahren 82 Kinder -. Mit Vorsicht geschrieben in der NS Zeit war in Maissen ein Handwerker der nicht ins Bild der NS Zeit passte – so entstand ein Problem – ein Ort ohne diesen Handwerker – das geht nicht – also haben die führenden NS Leute den Handwerker versteckt über die Zeit gebracht – der dann allerdings nach 1945 viele Entnazifiziert hat. Erstaunlich auch das in den 30iger Jahren in der Zeit der großen Not mit einer kleinen staatlichen Hilfe die Moaßler die Straße von der Abzweigung vom Roten Kreuz nach Maissen selber bauten und so einige Kreuzer verdienten – Lustig auch die Straße nach Harbach hat einen erstaunlichen Verlauf – denn die Grundstücke des Bürgermeisters mussten umfahren werden – na ja es ist trotzdem eine wunderbare besondere Welt – Zu Frau Seidler diese hatte eine Badewanne – das war in der Zeit als Fließwasser im Brunngrand die Normalität war – ein Punkt für viele „Gedanken“

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