Die Spanische Grippe, die ziemlich gesichert in Armeelagern in Amerika entstand und durch Truppentransporte nach Europa gebracht wurde, überschritt die hermetisch abgeriegelte Westfront vermutlich bei der letzten verzweifelten Offensive der deutschen Heeresleitung die unter dem Namen „Unternehmen Michael“ im März 1918 durchgeführt wurde. Beim Versuch zum Ärmelkanal vorzustoßen und die englischen von den französischen Truppen zu trennen, wurden viele grippekranke alliierte Soldaten gefangen genommen. So konnte sich die Seuche auch bei den Mittelmächten verbreiten. Die Armeen waren die idealen Brutstätten für die Pandemie, so waren im gesamten Verlauf der Krankheit im Krieg drei Viertel der französischen, die Hälfte der britischen Streitkräfte und rund 900.000 Mann der deutschen Streitkräfte durch die Grippewelle zeitweise außer Gefecht gesetzt. (Laura Spinney: 1918. Die Welt im Fieber. München 2018, S. 49ff)

Von der Westfront kommend erreichte der Virus die Pfarre Harbach im September 1918, die erste Tote bei uns war die 79jährige Walburga Wanda aus Hirschenwies 14 am 3. Oktober. Schon am 7.10. starb die erst 21jährige Katharina Rienessel aus Lauterbach 12. Insgesamt forderte die weltweit zweite und größte Welle der Spanischen Grippe bis zum 3. Dezember 14 Opfer unter den Einwohnern der Pfarrgemeinde Harbach.  Das ist fast die Hälfte der gesamt 31 Toten in diesem Jahr und das in nur 2 Monaten. In Wultschau (Kirchenbuch Weitra) starb in dieser Zeit nur der 91jährige Michael Schuster an Grippe.

Die Todesfälle 1918 im Detail:

03.10. Walburga Wanda – 79 Jahre, Ausnehmerin in Hirschenwies 14

07.10. Katharina Rienessel – 21 Jahre, Schmiedsgattin in Lauterbach 12

14.10. Maria Hobiger – 32 Jahre, Bäuerin in Lauterbach 35

07.11. Katharina Röhrenbacher – 74 Jahre aus Hirschenwies 14 (der zweite Todesfall in diesem Haus)

11.11. Theresia Moser – 0Jahre 37 Tage, Holzhauerstochter aus Schwarzau 14

13.11. Heinrich Glatzel – 0Jahre 18Tage, Oberlehrerssohn aus Hirschenwies 30

16.11. Heinrich Stundtner – 3 Jahre, Steinmetzgehilfensohn aus Lauterbach 32

16.11. Johann Pichler – 60 Jahre, Knecht in Lauterbach 11

18.11. Josef Pfeiffer – 46 Jahre, Dampfsägearbeiter aus Schwarzau 15

20.11. Juilana Pfeiffer – 64 Jahre, Zimmermannswitwe und Ausnehmerin in Maissen 35

26.11. Johann Müller – 20 Jahre, Zimmermann damals wohnhaft in Maissen 28 (der 17 Jahre ältere Bruder vom Holzmühlwirt Hermann Müller sen.)

26.11. Wenzel Wanda – 57 Jahre, Glasschleifer in Hirschenwies 21

26.11. Josef Bachofner – 73 Jahre, Holzhauer aus Hirschenwies 39

03.12. Ernest Pfeiffer – 1 Jahr, Kleinhausbesitzerssohn in Hirschenwies 25

15.12. Michael Schuster – 91 Jahre, Ausnehmer in Wultschau 24

 

Diese Welle ebbte in der Folge bei uns ab und es starben bei der weltweit dritten Welle im Jahr 1919 nur mehr drei (65, 83 und 55 Jahre) und im Jahr 1920 nur mehr vier Menschen (63, 0Jahre/14Tage, 73 und 77 Jahre) in der Pfarre Harbach an Grippe.

 

6 Gedanken zu „Spanische Grippe in Moorbad Harbach“
  1. Hohe Zugriffszahlen 😉 Kein Wunder – den Scheiß was ihr 5 Versager!!!! da postet will jeder lesen

    hahahahahahahahahahahahaha

    1. „Hohe Zugriffszahlen… Kein Wunder – den Scheiß, den ihr 5 Versager da postet, will jeder lesen.“

      Lieber Schreiber,

      1) Mit diesem Kommentar ist wieder einmal klar mit welch brachialen Methoden die „Regierenden“ (Eigenbezeichnung in einem anderen Schreiben), zu deren Clique dieser Schreiber vermutlich gehört, ihre Macht über die Gemeindefinanzen verteidigen wollen. Denn warum würde man sonst in so einem Ton eine korrekte Diskussion über die Ausrichtung einer Gemeinde führen?
      2) Klar ist weiter: wir stehen mit unseren Namen für eine saubere Berichterstattung über die Vorgänge in der Gemeinde. Wenn etwas sachlich falsch ist, bitten wir höflichst um Korrekturvorschläge. (Außerdem sind wir schon lange nicht mehr nur fünf:-)
      3) Klar ist auch, dass es offenbar bisher keinerlei Ansatzpunkt für sachliche Gegenargumentation gibt, sondern nur anonym Unsachliches geschrieben wird. Es gibt die Punkte sicherlich, an denen man zu einer Diskussion ansetzen könnte. Ich hoffe es gibt da die Fähigkeit und den Willen das zu tun. Jeder braucht sachliche Kritik, auch wir hätten gerne welche, um uns weiter zu verbessern.
      4) Das einzige, das nicht klar ist, ist was der Zusender da sagen will in einem Kommentar zu einem Artikel über unsere Grippetoten von 1918. Es sollte doch einleuchten, dass wenn sogar er, als jemand der diese Berichte ablehnt, selber so fleißig liest, und sogar die Kommentare von alten Artikeln durchschaut, auch viele, viele hundert andere die Seite regelmäßig wohlwollend verfolgen.

      Außer wir werden nur von unseren Gegnern gelesen:-) Ich muss gerade herzlich lachen:-) Sogar das wäre ausreichend, denn wir wollen ja mit unseren Berichten die Gemeindepolitik verändern und öffnen.

      Übrigens, genau das passiert gerade. Wir bekommen eine neue Gemeindehomepage, das „Gemeindebudget“ ist neuerdings fast in der korrekten gesetzlich vorgeschriebenen Form im Internet abzurufen, es gibt wieder Informationen zu Gemeinderatssitzungen für die Bürger, der von uns aufgedeckte fixe Gemeindeamts-Neubau wird überdacht, und viele andere positive Veränderungen wurden angegangen. Vieles bewegt sich. Es ist also sehr wirkungsvoll was wir tun. Das merkt man nicht nur an der Reaktion von grantigen anonymen Schreibern.

      Trotzdem herzliche Grüße an den Absender der grantigen Zeilen, mit der Einladung sachlich zu antworten und weiter fleißig zu lesen,
      Markus Müller

  2. Interresant zu erfahren, dass ein Bruder meines Urgroßvater (26.11. Josef Bachofner – 73 Jahre, Holzhauer aus Hirschenwies 39) an dieser Krankheit verstorben ist. Allerdings lautet der Eintrag im Sterbebuch „nur“ auf INFLUENZA.

    Liebe Grßsse ins Waldviertel
    Gerhard

    1. Lieber Gerhard, freut mich, dass wir Leser bis außerhalb des Waldviertels haben:-) Naja irgendwo müssen ja diese hohen Zugriffszahlen herkommen..
      Meinem Vater ist es ähnlich ergangen, er wusste nicht einmal dass er einen Onkel hatte, geschweige denn das der an der Spanischen Grippe gestorben ist. Mein Opa hat seinen Bruder ja auch nicht wirklich gekannt, war er ja erst drei oder vier, als er gestorben ist, vielleicht ist er deswegen in den Familiengeschichten später nicht mehr vorgekommen.
      Es stimmt übrigens, dass ich alle Grippe/Influenzatoten der Spanischen Grippe zugeschlagen habe, da es eher unwahrscheinlich ist, dass zwei Virenstämme in unserer Gemeinde im Umlauf waren. Außerdem denke ich dass sie damals selber den Unterschied auch nicht gemerkt hätten.

  3. Sehr interessant die Ausführungen über die Spanische Grippe in der Gemeinde Moorbad Harbach in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

    1. Danke, freut mich dass die Artikel auf Interesse stoßen. Ich will immer wieder mal was zur Gemeindechronik schreiben. Finde ich auch sehr spannend. Dazu gleich eine Frage lieber Fredi. Tschernobyl hat sich ja jetzt gejährt und dazu wolle ich auch etwas gestalten, welche Auswirkungen das auf unsere Gemeinde hatte. Kannst Du mir in einem Mail zukommen lassen wie oft Du die ukrainischen Kinder hier hattest? Und ein paar interessante Stichworte dazu? Ich möchte auch mit Heri über den Liquidator reden, der bei uns zu Besuch war. Von den vielen Toten seiner Kompanie und wie sehr wir diesen Menschen zu Dank verpflichtet sind und wie gerecht Dein Eintreten für die Kinder dieser Väter war, die für ganz Europa ihre Gesundheit und Leben gegeben haben. Danke im Voraus
      Markus

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