Titelbild: ein Denkmal für verstorbene „Liquidatoren“ der Atomkatastrophe

Alfred Lewol organisierte neun Jahre lang die Betreuung staatlich anerkannter „tschernobyl-invalider“ Kinder in Moorbad Harbach. Dank der finanziellen und materiellen Unterstützung von Bekannten, Freunden und Gönnern konnte so sechzig Kindern (dreißig Mädchen und dreißig Buben) aus den Städten Antrazyt und Svatovo in der Ostukraine für jeweils drei Wochen ein Erholungsaufenthalt in Österreich ermöglicht werden. Hier ein Link zur Facebookseite der noch laufenden Aktion.

Die Kinder waren auf dem Bauernhof der Familie Magenschab in Lauterbach untergebracht und einmal in einer Sportschule der Stadt Wien. Während ihres Aufenthaltes in Österreich konnten sie sehr viel Kraft aus den schönen und positiven Eindrücken für ihren zukünftigen Weg schöpfen. Alfred hat das Leben dieser 60 Kinder mit frischer Kraft und Zuversicht erfüllt. Dafür gebührt im großer Dank.

Dank der finanziellen Unterstützung durch Raiffeisen International konnte Alfred Lewol noch drei Trinkwasser – Aufbereitungsanlagen für Schulen in der Stadt Svatove finanzieren. Er ist heute noch mit einigen, nunmehr erwachsenen Kindern in Kontakt. Bei einem Besuch 2019 stand Alfred mit seinem ehemaligen ukrainischen Schützling Sascha vor dem explodierten Block 4 des Atomreaktors Tschernobyl  in Prypjat, der Geisterstadt, und gedachte der Verunglückten.

 

Ein kommandierender Liquidator einer Reservisten-Pionierkompanie in Tschernobyl war 2014 zu Gast in der Holzmühle und erzählte folgendes von der Katastrophe:

Von den 760 Soldaten seiner Pionierkompanie, die in der ersten Woche im April 1986 am Reaktor gearbeitet haben, haben bis 2014 nur 80 überlebt. Von der zweiten Kompanie mit ebenfalls mehr als 700 Soldaten, die damals mit ihnen im Einsatz war, hat seines Wissens keiner die 30 Jahre bis zu seinem Besuch in Österreich 2014 überlebt.

Mittlerweile ist er der Vorsitzende des Kiewer Anti-Atomvereines und war als Vertreter der Ukraine damals zum 100-Jahrjubiläum des Flüchtlingslagers in Gmünd angereist, wo ja im ersten Weltkrieg besonders viele Flüchtlinge aus den Teilen der Ukraine untergebracht waren, die damals zur Österreich-Ungarischen Monarchie gehörten. Dabei hat er die Gruppe von Tschernobylkindern besucht, die damals durch Alfred Lewol in Moorbad Harbach betreut wurde und die Holzmühle beehrt.

Der Kreml hatte laut Michail Gorbatschow 3 Tage nach dem Unfall noch immer keine detaillierte Info, mutmaßlich weil die Angst Fehler nach oben zu melden zu groß war. Dieses Denken wird in der hier verlinkten 50-minütigen Dokumentation sehr gut thematisiert. Technisch ist die Katastrophe in diesem weiteren 53-minütigen Dokumentarfilm gut erklärt.

Die „Liquidatoren“, wie die Kämpfer gegen die Strahlung genannt wurden, haben durch ihren Einsatz ganz Europa vor einer wesentlich größeren Verstrahlung geschützt, indem sie den Block 4 löschen und kühlen konnten und so verhindert haben, dass der Kern durch den Betonboden in das darunterliegende Wasser schmilzt, was zu einer noch viel, viel größeren thermischen Explosion geführt hätte. Ganz Europa wäre stark verseucht worden… Das war die Aufgabe dieser Männer.

Die Aufräumroboter versagten den Dienst, weil die Strahlung die Elektronik zerstörte. Daher mussten Menschen. als „Bioroboter“, diese Arbeit machen. Direkt am Reaktordach durften die Soldaten ganze 90 Sekunden Dienst tun und konnten jederzeit auf tödliche Teile von Brennelementen stoßen. Niemand kann sagen wie viele der 600.000 beschäftigten Reservisten aus der ganzen Sowjetunion an den Folgen der Verstrahlung gestorben sind. Die Toten wurden niemals gezählt.

Nach der Katastrophe von Fukushima im März 2011 hat sich der Kompaniekommandant sofort an die Behörden in Japan gewendet um wertvolle Tipps bei der Bekämpfung der dortigen Reaktorkatastrophe geben zu können. Bei der Bekämpfung in Tschernobyl wurden große Lehren gezogen, aber auch viele Fehler gemacht, vor denen er die Japaner bewahren wollte. In seiner Wahrnehmung reagierten die Zuständigen in Japan mit dem dummen westlichen Stereotyp, dass man als Industrienation auf die Tipps aus „unterentwickelten Ländern“ verzichten kann. Es wurden lieber hunderte Arbeiter einem zusätzlichen Risiko ausgesetzt, als auf die Ukrainer gehört.

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